30 Jahre Nordafrika – Teil2

von | Aug 2, 2020

Freunde Marokko

Tradition Tee trinken

Das Teetrinken ist in ganz Nordafrika eine alte Tradition. In Marokko und Tunesien wird aber immer mehr Kaffee angeboten, allerdings nur in Ortschaften, nicht wenn man unterwegs auf Nomaden trifft. Es ist immer gesüßter Schwarz- oder Grüntee, aber auf unterschiedliche Art zubereitet.

In Algerien, wo die Nomaden meist mit wenig Wasser auskommen müssen, wird in eine kleine Kanne Tee und Zucker gegeben, mit Wasser aufgefüllt und die Kanne direkt ins Feuer gestellt. Man wartet bis ein wenig Teeschaum aus dem schmalen Schnabel spuckt. Dann wird der Tee gekonnt von weit oben in ein Glas gefüllt und wieder in die Kanne geleert, meistens 3 Mal, dann wird die Kanne zurück ins Feuer gestellt. Dieser Vorgang wird sooft wiederholt, bis der Tee eine gute Farbe hat – weniger Geübte kosten, ob der Zucker gut mit dem Tee vermischt worden ist und der Tee stark genug ist.

Den ersten Durchgang – bitter wie das Leben – trinken nur die Männer. Dann wird wieder Wasser und etwas Zucker in die Kanne gegeben und das ganze wiederholt. Auch diesen Durchgang – stark wie der Löwe – trinken nur die Männer. Bei uns machten sie eine Ausnahme, ich bekam auch schon beim ersten und zweiten Durchgang ein Glas gereicht. War man als Gast willkommen, wurde noch einmal Wasser und Zucker in die Kanne gefüllt und ein drittes Mal aufgekocht. Dieser Durchgang – Süss wie der Tod – bekamen auch die Frauen und Kinder, da nun der Tee nicht mehr so stark ist.

Tee bei Freunden in Marokko
Tee-Einladung in Algerien

Wird kein drittes Mal aufgekocht, so ist man als Gast nicht willkommen und kann sich überlegen, wie man sich daneben benommen hat. Und das muss schon was Grobes gewesen sein. Denn die Berber haben unter anderem den Spruch:

Du bist fremd, du kannst nicht alle Traditionen kennen. Du solltest aber einen Fehler, auf den man dich aufmerksam gemacht hat, kein zweites Mal begehen.

Tee Einladung als Antwort

Diese Art der Teezubereitung funktioniert aber nur mit Tee, den man in Algerien zu kaufen bekommt. Es ist eine spezielle Röstung für dieses Land, weil es hier so wenig Wasser gibt. In den anderen Nordafrikanischen Staaten wie Marokko, Mauretanien, Tunesien, Libyen – wird einmal eine große Kanne aufgesetzt und die köchelt mit viel Wasser, Zucker und Tee vor sich hin.

Trotzdem gibt es auch hier viele Traditionen die mit dem Tee verbunden sind. Wirbt in Marokko ein Mann um eine Frau, dann wird er letztendlich zum Tee bei der Familie der Frau eingeladen. Den Tee bereitet natürlich die Umworbene zu – ist der Tee sehr süß, dann war das Werben des Mannes erfolgreich, ist er nahezu ungezuckert, dann hat sie nichts für ihn übrig – sie sagt ihm nicht durch die Blume, sondern durch den Tee, dass er gehen kann.

Teekanne im Feuer

Zu Fuß durch die Sahara

2 Mal haben wir ein kleines Stück Sahara zu Fuß durchquert, einmal in Ägypten und einmal in Tunesien (siehe auch unseren Beitrag „Ohne Zeit und Grenzen“).

In Ägypten sind wir mit dem Flugzeug nach Hurghada geflogen, wurden dort abgeholt und zu einem Beduinen-Dorf gebracht. Ein Freund von uns kannte die Familien in diesem Dorf. Und so begleiteten uns gleich 4 Familienoberhäupter, und von einem waren auch noch Sohn und Tochter dabei.

5 Tage waren wir unterwegs, unser Gepäck trugen die Kamele, nur das wichtigste war bei uns. Mit Andreas und mir waren noch 2 Ehepaare und eine Frau mit, die zum Teil auch auf den Kamelen geritten sind.

In diesem Jahr, es war im Winter 2000/01 hatten wir ja schon ein paar Reisen mit dem Fahrzeug hinter uns. Der Tagesablauf richtete sich nach den Kamelen – zeitig in der Früh ging es los, Mittag gab es eine Rast, wo auch die Kamele etwas zum Fressen fanden und dann waren wir wieder bis ca. 1 Stunde vor der Dämmerung unterwegs. Für das Lager wurden Dornenbüsche ineinander verkeilt und im halbrund gegen den Wind gestellt. Dahinter Matten und Schlafsäcke, die Rucksäcke dienten als zusätzlicher Windschutz und Kopfpolster.

Karawane in Ägypten
Schlafplatz bei der Karawane

Brot und Tee

Unterwegs hatten wir nur unser „Handgepäck“ mit den wichtigsten Utensilien für untertags. Ich nahm eine Bauchtasche und neben meinen Papieren, fand noch die notwendige Survival-Ausrüstung Platz – eine Teekanne, ein Behälter mit Tee und Zucker gemischt, 2 Gläser und ein Feuerzeug.

Kurz nach Aufbau des Lagers war auch schon mein Tee fertig, auf Nomadenart zubereitet. Das brachte mir die Anerkennung unserer Führer ein, die sich gerne zu einem Gläschen zu uns setzten.

Andreas punktete mit der Zubereitung unseres Fladenbrotes – gelernt in Algerien. Die Beduinen machten zwar auch täglich Brotteig, aber ungewürzt, da die Hälfte als zusätzliche Nahrung für die Kamele diente, aus der anderen wurde Brot gebacken. Mit kritischen Blicken beobachteten sie Andreas bei der Zubereitung des Brotes, vor allem die Gewürze haben es ihnen angetan.

Auch Andreas bestand die Probe und ab diesem Zeitpunkt waren wir integriert.

Die Beduinen haben auch eine strenge Trennung des Feuers, sie machen immer 2 Feuerstellen. Bei der einen wird nur Holz und trockene Büsche verwendet, da wird dann auch das Brot gemacht. Für die andere nehmen sie auch getrockneten Kameldung. Dieses Feuer diente dann nur zum Wärmen, nachdem die Sonne untergegangen ist.

Tee trinken
Brot backen
Brot im Feuer
Abendessen im Nachtlager
Kinder vom Karawanenführer

Das Tempo der Karawane bestimmen die Kamele

Beim Gehen muss man sich an das Tempo der Kamele anpassen, dass in der Ebene doch recht hoch ist. Probleme bereitete uns das Abschätzen von Entfernungen.

Wir gehen ein Qued entlang, am Horizont eine kleine Bergkette – in 2 Stunden sind wird dort, denken wir aus der Erfahrung unserer Reisen mit dem 4×4. Am Abend, nach ungefähr 6 Stunden, schlugen wir dann in der Nähe der Bergkette das Nachtlager auf.

Auf der Strecke galt es auch einen Pass zu überwinden.

Da die Kamele den Kopf beim Gehen nach oben strecken, man könnte auch meinen, sie sind etwas hochnäsig, sehen sie nicht, wo ihre Füße hinsteigen. Im Sand spielt das wenig Rolle, auf den Steinen, noch dazu bergauf- und –ab, muss man sie sehr vorsichtig führen, damit sie nicht stolpern und sich verletzen.

Also Gepäck abladen, das müssen wir jetzt selber über den Pass tragen.

Da Andreas unser Packkamel selber führen durfte, durfte ich 2 Mal über den Pass laufen, denn ich konnte nur einen Rucksack auf einmal tragen!

Karawane in Ägypten
Passüberquerung
Passüberquerung
Pause

Steinzeitliche Jagd

Am Ende unserer Tour, kurz vor dem Dorf waren wir auch noch Zeuge einer, sagen wir einmal steinzeitlichen, Jagd. Ein Steinbock kreuzte unseren Weg, 3 Männer und ein Hund begannen ihn zu jagen, versuchten ihn im felsigen Gelände einzukreisen. Ohne Ausrüstung, in dünnem Schuhwerk rannten sie die glatten Felsen hinauf. Die Chance auszurutschen und abzustürzen war hoch. Der Bock hatte dann Pech, ein Fuß blieb in einer Felsspalte hängen und so konnte er überwältigt werden. Fleisch, Fell (Haut), Knochen – alles wird verwertet, nichts verschwendet.

Insgesamt eine ganz tolle Erfahrung, mit wenig Ausrüstung im Rhythmus der Tiere die Wüste zu durchstreifen. Der Schock war dann nur groß, als wir wieder nach Hurghada zurückkehrten und noch eine Nacht dort verbringen mussten. In den Nächten unter dem Sternenhimmel, bei Lagerfeuer, Brot und Tee mit unseren Wegbegleitern den Beduinen, da haben wir uns wesentlich wohler gefühlt.

Eine außergewöhnliche Karawane

Unsere zweite Tour machten wir dann in Tunesien zum Bir gif el Boum – 3 Tage. Statt den Kamelen spannten wir diesmal unsere Schlittenhunde (Samojeden) vor die Pulka, in die wir unser Wasser, Matten, Schlafsäcke und ein wenig Proviant packten. Das war im Winter 2006/07 – eine Jahreszeit, wo man die Hunde durchaus in die Wüste mitnehmen kann – und unsere waren ja schon sehr sanderfahren. Großes Erstaunen riefen wir dann bei einer entgegenkommenden Lastenkarawane hervor, denn so eine Karawane hatten sie bis dahin in der Wüste noch nicht gesehen.

Zum ausführlichen Bericht…..

Hundeschlitten Wanderung Wüste

Faszination Abenteuerreise in Nordafrika

Zu Beginn unserer Reisen stand auf jeden Fall die Herausforderung und die Frage, was schaffen wir:

  • Fahrerisch
  • Navigatorisch
  • Wie geht es uns mit der endlosen Weite und Einsamkeit

Letztendlich meisterten wir all diese Faktoren, denn sonst würden wir jetzt nicht immer noch in solchen Landschaften unterwegs sein. Aber es sind heute keine Herausforderungen im Sinne von der ersten Reise mehr.

Fahrerisch muss man sich zwar immer den vorherrschenden Bedingungen anpassen, aber im Laufe der Zeit haben wir so viele unterschiedliche Bodenverhältnisse kennengelernt, dass uns kaum mehr etwas überrascht.

Die Navigation war eigentlich nie ein Problem, wir können Kartenlesen. Die Positionsbestimmung ist heutzutage mit dem GPS einfachst, die Tourplanung im Vorfeld am PC ebenso.

Und die endlose Weite – die hat uns nie erdrückt, im Gegenteil, sie ist es, die wir auf unseren Touren suchen.

Heute ist unser Ansporn aber, den Menschen in ihrer natürlichen Lebensweise zu begegnen. Wir haben Freunde in Marokko und Tunesien, mit denen wir auch über ihr Leben, die Veränderungen durch die Politik und den Tourismus reden können. Sie gewähren uns noch mehr Einblicke in ihre Lebensart.

Die Begegnungen mit Nomaden in ihrer ursprünglichen Lebensweise, dafür ist Nordafrika schon fast zu klein geworden. Hier muss man sich schon weit weg von ausgetretenen Pfaden bewegen.

Familie in Marokko
Freunde Tunesien
Nomadenfamilie Algerien

Die goldene Stunde

Auch ein Grund, warum wir uns vermehrt neuen Zielen zugewandt haben. Aber den Grundstein für diese Art zu Reisen, haben wir in der Sahara gelegt. Sie hat uns vorbereitet und für weitere Abenteuer gerüstet.

Und so beende ich meine heutige Erzählung mit den Worten von Saint d’Exupery: Die Sahara hat eine goldene Stunde zu vergeben und wir durften sie erleben.

Fortsetzung folgt…..

Die Sahara

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